Tag des Friedhofs
Seit 2001 setzt die Initiative von Fachverbänden und Kommunen Zeichen für ein lebendiges Miteinander. Der Tag holt das Thema Vergänglichkeit aus der Isolation und verbindet es mit dem beruhigenden Gefühl, durch selbstbewusste Zukunftsgestaltung, das Vergangene dankbar zu bewahren und dem eigenen Leben, voller Hoffnung zu begegnen.
Sprachlosigkeit lösen. Erinnerung bewahren. Mutig nach vorn blicken.
Gegen das Schweigen nach einem Verlust hilft vor allem eines: Zuwendung. Der Austausch über den Tod, das Teilen von Erinnerungen, sowie Gedanken und Gespräche über neue Wege, wie ein Neuanfang gelingen kann, ohne die Verstorbenen aus dem Herzen zu verlieren – das ist es, was Zuversicht schenkt. Der Tag des Friedhofs schafft Anlässe für genau diese verbindenden Begegnungen mitten im Leben.
Alle zwei Jahre lädt das Friedhofsamt Frankfurt am Main auf den Hauptfriedhof Frankfurt zu nahbaren Angeboten ein:
- Räume für Begegnung: Kulturangebote und Themenführungen eröffnen neue Perspektiven auf das Leben, das Gedenken und die Zuversicht.
- Beratung auf Augenhöhe: Experten informieren behutsam über moderne Bestattungsformen und Wege, das eigene Morgen beruhigt zu regeln.
Ein Tag, der zeigt: Im gemeinsamen Gespräch finden wir die Worte wieder, die uns helfen, Erinnerungen lebendig zu halten und mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen.
Die Beteiligung von PolymerFM
Eine Aussegnungshalle ist architektonisch und funktional kein neutraler Ausstellungsraum wie ein Museum oder ein White Cube. Sie ist von Natur aus ein Schwellenort – ein Raum des Innehaltens, des Übergangs und des Abschieds.
Wenn der Verein an genau diesem Ort Ausstellungen unter dem Schwerpunkt „IN MEMORIAM … in Gedenken an … über den Tod hinaus“ zeigt, geht es nicht um schockierende Konfrontation, sondern um einen feinfühligen Dialog zwischen dem Raum, den Werken und den menschlichen Erfahrungen.
Am Tag des Friedhofs ist die kleine Aussegnungshalle außerhalb von Trauerfeiern für die Öffentlichkeit geöffnet. Die dort gezeigte Kunst holt die Sterblichkeit aus der Tabuzone, hilft, die eigene Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes aufzubrechen und integriert die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit zum natürlichen Teil des Lebens.
Der Ort als Schwellenraum und Rahmen für Übergänge
Als Ort des Dazwischens markiert die kleine Aussegnungshalle im Hauptfriedhof Frankfurt eine rituelle Schwelle. Zeitgenössische Kunst macht hier den Übergang zwischen Leben und Tod, Präsenz und Abwesenheit greifbar. Sie wird zur Brücke, die das Sichtbare feinfühlig mit dem Unsichtbaren verbindet.
Ausstellung | das Gedenken – ein lebendiger Prozess (… über den Tod hinaus)
IN MEMORIAM begreift Erinnerung nicht als starr, sondern als lebendige Kraft im Hier und Jetzt. Die Kunst gibt dem Unfassbaren eine Gestalt. Sie führt über den reinen Abschiedsschmerz hinaus und verankert das Gedenken aktiv in der Gegenwart.
Künstler verarbeiten in ihren Werken eigene Verluste und Biografie. Diese sichtbaren Spuren sprechen Betrachter persönlich an: Die Kunst wird zum Resonanzraum, der eigene Erinnerungen, Narben und Bindungen spiegelt und ihnen Form verleiht.
Begleitende Lesungen | der sprachliche Resonanzraum
Lesungen erweitern die bildende Kunst um die Dimension des Wortes. Dichtung und Prosa greifen die Themen Leben, Sterblichkeit und Übergänge auf, schenken dem Unsagbaren eine Stimme und schaffen im Zusammenspiel mit dem Raum eine vertiefte Ebene für gemeinsames Denken und Erinnern.
Galerie Tag des Friedhofs 2026
Am 20.09.2026 verwandelte sich die kleine Trauerhalle des Hauptfriedhofs in einen stimmungs-vollen Ort der Einkehr, des Nachdenkens und des Dialogs.
Im Mittelpunkt stand die Ausstellung IN MEMORIAM „In Gedenken an… über den Tod hinaus“: Die von der Kuratorin Sabine Lauer eigens für diesen Anlass ausgewählten und zusammengestellten Werke verschiedener KünstlerInnen eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Leben, Vergänglichkeit und Erinnerung. Das Spektrum reicht von Malerei und Fotografie über dreidimensionale Objekte bis hin zur Rauminstallation im historischen Ambiente der Halle.
Monika Agethen Installation
Sabine Lauer Texte
Almut Martiny Malerei, Fotografie
Petra Maria Mühl Fotografie
Frank Rotter Objekt, Fotografie
Den gedanklichen und emotionalen Rahmen der Ausstellung bildeten drei von der Kuratorin verfasste Texte, die sich mit der Begegnung mit dem Tod, dem Gefühl des Verlassenseins und den Erinnerungen, die das weitere Leben begleiten, auseinandersetzten.
Ergänzt wurde die visuelle Kunst durch ein literarisches Rahmenprogramm: Im Laufe des Tages fanden innerhalb der Ausstellung drei unterschiedliche, jeweils halbstündige Lesungen statt, die sich einfühl-sam dem Themenfeld von Leben und Tod widmeten:
Wortmaler Hans Berghammer las eigene Gedichte
Cornelia von Freyhold las Gedichte des Künstlers Frank Rotter
Cornelia von Freyhold las ausgewählte Gedichte verschiedener Autorinnen und Autoren